Eine Auslosung beim Wiedersehen: alten Freunden etwas zum Auspacken geben
Jedes Wiedersehen hat denselben Bogen. Eine Stunde echte Freude, eine Stunde Auf-den-Stand-bringen, und dann eine lange Strecke, in der die Schlagzeilen erzählt sind und niemand als Erster sagen möchte, dass er müde ist.
Eine Geschenkauslosung ist ein erstaunlich gutes Mittel gegen diese Strecke — und fast niemand denkt daran, weil Geschenke nach Weihnachten klingen.
Warum das gerade zu einem Wiedersehen passt
Es gibt dem Abend einen zweiten Akt. Um neun passiert etwas, das kein weiteres Gespräch ist, und das Gespräch danach wird besser.
Es zwingt eine Person, eine Stunde lang an eine andere zu denken. Das ist der ganze Inhalt eines Wiedersehens, und eine Auslosung macht ihn konkret statt nostalgisch. Man kann kein Geschenk für jemanden aussuchen, den man acht Jahre nicht gesehen hat, ohne ernsthaft darüber nachzudenken, wer diese Person war und wer sie heute sein könnte.
Es erzeugt die Gegenstände, die einem Wiedersehen sonst fehlen. Man geht mit Fotos im Telefon und nichts in den Händen. Eine kleine Sache zum Mitnehmen macht aus einem netten Abend ein Ereignis.
Das Motto, das die Arbeit macht
Die Einschränkung muss gesetzt werden, sonst kauft die Runde generische Geschenke und der Sinn ist weg. Was bei einem Wiedersehen am besten funktioniert:
Etwas, das sich auf die Zeit bezieht, in der ihr euch kanntet.
Das Album, das ihr in Grund und Boden gehört habt. Ein gedrucktes Gruppenfoto. Die Süßigkeit aus dem Automaten an dem Ort, an dem ihr alle gearbeitet habt. Ein Exemplar des Buchs, das jemand ständig zitiert hat. Billig zu machen, unmöglich schlecht zu machen — und der Grund, warum eine Wiedersehens-Auslosung sich von jedem anderen Tausch unterscheidet.
Zwei tragfähige Alternativen:
- Etwas von dort, wo du jetzt lebst. Alle sind verstreut — das Geschenk ist eine Kleinigkeit aus der Stadt, in der die schenkende Person gelandet ist. Eine Art, zwölf Leuten zu erzählen, wo man war, ohne eine Rede zu halten.
- Etwas unter zehn Euro, in der letzten Stunde vor der Ankunft gekauft. Bewusst albern, bewusst billig — und es beseitigt jede logistische Ausrede.
Die praktischen Entscheidungen
Zwei Wochen vorher auslosen, nicht am Abend selbst. Das Geschenk ist der Gedanke, und ein Gedanke braucht eine Woche. Eine Auslosung vor Ort bringt zwölf identische Flaschen vom Bahnhof hervor.
Die Obergrenze niedrig halten. Zehn bis zwanzig Euro. Die halbe Runde ist angereist und hat den Abend längst doppelt bezahlt.
Den Fall der Absage regeln. Wiedersehen haben eine Ausfallquote, die kein Weihnachtstausch kennt. Vorher entscheiden: Die schenkende Person übergibt das Geschenk ein andermal, oder bringt es mit und jemand schickt es. Was nicht funktioniert, ist, das Problem am Tisch zu entdecken.
Vor dem Essen machen, nicht danach. Danach steht die halbe Runde. Davor sind alle an einem Ort, und niemand ist zum letzten Zug aufgebrochen.
Die eine Warnung
Jemand bringt aus Zuneigung etwas Teureres mit, als die Regel erlaubte, und das ist den vier Leuten links und rechts unangenehm.
Eine Zeile in der Einladung verhindert es: Die Obergrenze ist eine Regel, kein Vorschlag, und der Grund ist, dass sich niemand von einem alten Freund überboten fühlen soll. Einmal sagen, leichthin — dann hält es.
Wenn die Runde groß ist
Ab etwa fünfzehn Personen in zwei Räumen oder zwei Durchgängen auspacken. Ein Wiedersehen ist ohnehin ein Raum, in dem alle mit allen reden wollen; ein einziger Kreis mit zweiundzwanzig Auspackenden dauert fünfzig Minuten und wird zum Publikum.
Zwei Kreise à elf, gleichzeitig geöffnet, sind dasselbe Ereignis in der halben Zeit — und deutlich mehr von dem Reden, wegen dem alle gekommen sind.